Direkt am ersten Wochenende
stand schon ein Highlight an - und zwar eines, auf das ich mich während meines
Aufenthalts mit am meisten freute - der "Dia de los Muertos".
Traditionell gefeiert an
Allerheiligen - ist dies ein sehr wichtiger Tag für Mexiko. Friedhöfe
sind bunt geschmückt, Familien kommen zusammen und verbringen gemeinsam den
Tag, um ihren Verstorbenen zu gedenken. Es werden sogenannte Altare aufgebaut,
die mit den Lieblingsspeisen und -getränken des Verstorbenen verziert und, ganz
wichtig, einem Foto der Person versehen sind. Dies hat den Grund, dass man
glaubt, dass die Verstorbenen so für einen Tag zurück auf die Erde kommen und
den Tag quasi mit ihren Lieben verbringen.
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So sieht ein typischer Altar aus - hier allerdings ohne Foto |
Die Toten werden in Kinderfilmen und -büchern immer als bunt
angemalte Skelette dargestellt und sehen wirklich cool aus. Es ist kein Tag von
Trauer, sondern alle sind glücklich und feiern den "Tag der Toten".
Die Idee dieser Tradition, hat mich schon beim ersten Mal, als uns unsere
Spanischlehrerin davon in der Schule erzählt hatte, fasziniert, denn es ist
einfach ein total schöner Gedanke, der Kindern etwas die Angst vor dem Tod
nimmt und das Leben der Verstorbenen feiert, anstatt nur traurig über ihren Tod
zu sein.
Um diesen Feiertag auch
besonders intensiv mitzuerleben, fuhren Johanna, Anni, Philippa, Luise und ich
in den angrenzenden Bundesstaat Aguascalientes, in dem dieser Feiertag etwas
größer gefeiert wird. Ich habe mich unglaublich gefreut und war total gespannt,
auch wenn ich wusste, dass so eine Erwartungshaltung mich leicht enttäuschen
könnte.
Als wir in Aguascalientes
ankamen und unsere Sache in unserem Airbnb abgelegt hatten, machten wir uns auf
den Weg zu einer Art Jahrmarkt, auf dem man sich in dem typischen Totenkopflook
schminken lassen, Souvenirs und Andenken - sowie verschiedene Shows anschauen
konnte. Das ganze war kostenlos und nachdem wir alle geschminkt waren,
verließen wir den Markt, um in die Innenstadt zu kommen, wo die beliebte
alljährliche Parade stattfinden sollte.
Luise und ich mit der für den "Dia de los Muertos" typischen Schminke |
Das typische Gebäck "Pan de Muertos" gibt es nur saisonal und die Mexikaner sind verrückt danach |
Die Parade hat uns ehrlicherweise wenig umgehauen und nachdem wir
sogar noch kurz für das Fernsehen interviewt wurden, wollten wir uns einen
Friedhof anschauen. Klingt ganz schön komisch, aber all die Bilder, die ich im
Kopf hatte, von Familien, die bei Kerzenschein, Musik und Essen mit ihren Familien
Zeit verbringen, machten mich neugierig. Leider wurden wir ziemlich enttäuscht,
da einer der größten Friedhöfe der Stadt kaum verziert mit Blumen war.
Die nächsten zwei Tage sahen
bei uns recht ähnlich aus: Wir verbrachten wieder etwas Zeit auf dem Markt,
durchstreiften die Stadt, besuchten zwei Museen, die den "Dia de los
Muertos" noch etwas näher beleuchteten und versuchten wieder vergeblich
unser Glück bunt geschmückte Friedhöfe zu bestaunen.
Ehrlicherweise muss ich
zugeben, dass ich mir mehr von dem Wochenende erhofft hatte, jedoch kann es
auch sein, dass wir einfach nicht zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort
waren. Dennoch bin ich sehr froh, wenigstens ein Mal an diesem wichtigen
mexikanischen Feiertag im Land gewesen zu sein.
Wieder zurück in Guadalajara
angekommen, ging die nächste Uniwoche auch schon wieder los. Zwei meiner Kurse
würden nur noch zwei Wochen lang dauern und der Workload in den anderen Kursen
hat sich im Vergleich zum vergangenen Monat auch definitiv gesenkt. Ich konnte
somit den Monat etwas mehr entspannen, wobei unsere finalen Tanzprüfungen immer
näherrückten und mich das etwas nervös machte. Zudem musste ich für diesen Kurs
sogar zwei Mal eine Tanzstunde im Altersheim geben, was mich definitiv
Überwindung kostete, da es zum einen etwas war, wovon ich nicht so viel Ahnung
hatte und ich den Kurs zum anderen auf Spanisch leiten musste. Es verlief aber
alles sehr gut und generell bin ich wirklich zufrieden mit meinen Fortschritten
im Spanischen. Ich weiß noch, wie ich mir vor meiner Abreise aus Deutschland
Gedanken darüber machte, ob ich hier überhaupt zurechtkommen würde, da ich
gefühlt alle meine Spanischkenntnisse vergessen hatte. Aber ich habe wirklich
keine Probleme, meinen Alltag hier zu bewältigen und auch wenn es natürlich
vorkommt, dass ich ab uns zu mal nicht weiß, wie ich mich ausdrücken soll, bin
ich doch stolz auf das, was ich bis hierhin gelernt habe.
Den größten Anteil haben dabei
sicherlich der Spanischkurs, den ich zwei Mal wöchentlich habe, und die
Tatsache, dass ich bei einer mexikanischen Familie wohne und somit tagtäglich
mit der Sprache konfrontiert bin. Dazu kommen natürlich meine Kurse in der Uni
sowie der Kontakt mit meinen Kommilitonen und auch den Mädels aus meinem
Fußballteam.
Letztens hatten wir ein Spiel
gegen die "Tec de Monterrey", eine ziemlich reiche Privatuni, wo ich
mein erstes Tor erzielen konnte. Generell macht es einfach Spaß mit dem Team,
da alle total nett und hilfsbereit sind.
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Unser Fußballteam nach einem weiteren Sieg |
Zur Feier der mexikanischen Revolution hatten alle frei und die
Sportteams der UdeG nahmen an einer Parade durch die Innenstadt teil. Es war
das erste Mal, dass ich an so etwas teilgenommen habe und es war irgendwie
komisch, dass Leute einem hinter den Absperrungen zugejubelt haben. Lustig war
es dennoch und cool, so etwas mal miterlebt zu haben.
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Die alljährliche Parade durch Guadalajara zur Feier der mexikanischen Revolution |
Des Weiteren ist auch hier in Mexiko der Black-Friday-Shoppingwahn
für ein Wochenende ausgebrochen und so verbrachte ich viel Zeit mit Freunden in
Malls, auf der Suche nach den besten Deals. Wir bummelten, gingen etwas essen
und auch ins Kino, welches super bequeme Sitze hatte, und in dem man sich
allerlei Essen oder Getränke direkt zum Sitzplatz hat liefern lassen
können.
Doch ich war nicht nur ein
Wochenende lang in Einkaufszentren, sondern auch auf meiner ersten
mexikanischen Taufe - und zwar in Ocotlan, bei Pacos Familie.
Alles war wie immer bunt
geschmückt, es gab Tacos, Kuchen, eine Live-Band und was natürlich auf keiner
mexikanischen Feier fehlen darf: Tequila.
Es war wirklich eine coole
Erfahrung und ich bin so froh, dass ich das alles miterleben darf. Die Familie
Sanchez hat mir nicht nur einen Platz zum Wohnen gegeben, sondern auch eine
zweite Familie, die mich so integriert, als wäre ich wirklich ein Teil davon.
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Das Taufkind Aitana und ich |
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Meine Gastschwester Sara, Aitana und ich |
Die nächste Uniwoche verging schon wieder im Flug und so standen
die nächsten Aktivitäten am Wochenende an. Johanna hatte Geburtstag, zudem sind
wir in den Barrancas in Guadalajara wandern gewesen und ich hatte meine
Abschlussprüfung in einem Tanzkurs.
V.l.n.r.: Anni, ich, Johanna und Philippa an Johannas Geburtstag |
Besonders vor Letzterem hatte ich, wie vorher bereits erwähnt,
etwas Bammel, da die Prüfung im Tanzsalon "Casino Veracruz"
stattfinden würde, der bei allerlei Tanzbegeisterten beliebt war.
Auch wenn wir alle ziemlich
nervös waren, gelang uns alles im Endeffekt doch sehr gut. Alle Rhythmen, die
wir während des Semesters gelernt hatten, wurden aufgeführt: Danzon, Salsa,
Bachata und Merengue. Als die Nervosität nach dem ersten Tanz etwas abfiel,
machte der zweite Tanz umso mehr Spaß. Jeder tanzte zwei Rhythmen und meine
waren Bachata und Merengue. Am Ende rief meine Professorin mich sogar nach
vorne, um als Austauschstudentin eine kleine Rede zu halten. Ziemlich
überrascht bekam ich dann ein paar Worte zusammen und war einfach nur
glücklich, dass wir alle den Auftritt heute so gut gemeistert haben.
Nächste Woche findet dann meine zweite und letzte Tanzprüfung auf einem großen Kirchenvorplatz statt und das Semester nähert sich langsam aber sicher dem Ende. Die Weihnachtszeit steht außerdem vor der Tür und wir erwarten außerdem viel Besuch von Freunden der Familie Sanchez. Demnach wird der Dezember bestimmt nicht langweilig, und ich freu mich schon auf das, was kommt. Bleibt gespannt!
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Die Farbe des Kleides ist nicht ganz mein Geschmack gewesen |
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Das Gruppenfoto aller Kursteilnehmer |
Nächste Woche findet dann meine zweite und letzte Tanzprüfung auf einem großen Kirchenvorplatz statt und das Semester nähert sich langsam aber sicher dem Ende. Die Weihnachtszeit steht außerdem vor der Tür und wir erwarten außerdem viel Besuch von Freunden der Familie Sanchez. Demnach wird der Dezember bestimmt nicht langweilig, und ich freu mich schon auf das, was kommt. Bleibt gespannt!