Samstag, 7. Dezember 2019

Update aus GDL - es nähert sich dem Ende


Nachdem der Oktober gefüllt mit Reisen und viel Arbeit in der Uni sich dem Ende neigte, begann ein etwas ruhigerer November hier bei mir in Guadalajara.

Direkt am ersten Wochenende stand schon ein Highlight an - und zwar eines, auf das ich mich während meines Aufenthalts mit am meisten freute - der "Dia de los Muertos".
Traditionell gefeiert an Allerheiligen -  ist dies ein sehr wichtiger Tag für Mexiko. Friedhöfe sind bunt geschmückt, Familien kommen zusammen und verbringen gemeinsam den Tag, um ihren Verstorbenen zu gedenken. Es werden sogenannte Altare aufgebaut, die mit den Lieblingsspeisen und -getränken des Verstorbenen verziert und, ganz wichtig, einem Foto der Person versehen sind. Dies hat den Grund, dass man glaubt, dass die Verstorbenen so für einen Tag zurück auf die Erde kommen und den Tag quasi mit ihren Lieben verbringen.

So sieht ein typischer Altar aus - hier allerdings ohne Foto
Die Toten werden in Kinderfilmen und -büchern immer als bunt angemalte Skelette dargestellt und sehen wirklich cool aus. Es ist kein Tag von Trauer, sondern alle sind glücklich und feiern den "Tag der Toten". Die Idee dieser Tradition, hat mich schon beim ersten Mal, als uns unsere Spanischlehrerin davon in der Schule erzählt hatte, fasziniert, denn es ist einfach ein total schöner Gedanke, der Kindern etwas die Angst vor dem Tod nimmt und das Leben der Verstorbenen feiert, anstatt nur traurig über ihren Tod zu sein.

Um diesen Feiertag auch besonders intensiv mitzuerleben, fuhren Johanna, Anni, Philippa, Luise und ich in den angrenzenden Bundesstaat Aguascalientes, in dem dieser Feiertag etwas größer gefeiert wird. Ich habe mich unglaublich gefreut und war total gespannt, auch wenn ich wusste, dass so eine Erwartungshaltung mich leicht enttäuschen könnte. 

Als wir in Aguascalientes ankamen und unsere Sache in unserem Airbnb abgelegt hatten, machten wir uns auf den Weg zu einer Art Jahrmarkt, auf dem man sich in dem typischen Totenkopflook schminken lassen, Souvenirs und Andenken - sowie verschiedene Shows anschauen konnte. Das ganze war kostenlos und nachdem wir alle geschminkt waren, verließen wir den Markt, um in die Innenstadt zu kommen, wo die beliebte alljährliche Parade stattfinden sollte.

Luise und ich mit der für den "Dia de los Muertos" typischen Schminke


Das typische Gebäck "Pan de Muertos" gibt es nur saisonal und die Mexikaner sind verrückt danach

Die Parade hat uns ehrlicherweise wenig umgehauen und nachdem wir sogar noch kurz für das Fernsehen interviewt wurden, wollten wir uns einen Friedhof anschauen. Klingt ganz schön komisch, aber all die Bilder, die ich im Kopf hatte, von Familien, die bei Kerzenschein, Musik und Essen mit ihren Familien Zeit verbringen, machten mich neugierig. Leider wurden wir ziemlich enttäuscht, da einer der größten Friedhöfe der Stadt kaum verziert mit Blumen war.

Die nächsten zwei Tage sahen bei uns recht ähnlich aus: Wir verbrachten wieder etwas Zeit auf dem Markt, durchstreiften die Stadt, besuchten zwei Museen, die den "Dia de los Muertos" noch etwas näher beleuchteten und versuchten wieder vergeblich unser Glück bunt geschmückte Friedhöfe zu bestaunen.

Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass ich mir mehr von dem Wochenende erhofft hatte, jedoch kann es auch sein, dass wir einfach nicht zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort waren. Dennoch bin ich sehr froh, wenigstens ein Mal an diesem wichtigen mexikanischen Feiertag im Land gewesen zu sein.

Wieder zurück in Guadalajara angekommen, ging die nächste Uniwoche auch schon wieder los. Zwei meiner Kurse würden nur noch zwei Wochen lang dauern und der Workload in den anderen Kursen hat sich im Vergleich zum vergangenen Monat auch definitiv gesenkt. Ich konnte somit den Monat etwas mehr entspannen, wobei unsere finalen Tanzprüfungen immer näherrückten und mich das etwas nervös machte. Zudem musste ich für diesen Kurs sogar zwei Mal eine Tanzstunde im Altersheim geben, was mich definitiv Überwindung kostete, da es zum einen etwas war, wovon ich nicht so viel Ahnung hatte und ich den Kurs zum anderen auf Spanisch leiten musste. Es verlief aber alles sehr gut und generell bin ich wirklich zufrieden mit meinen Fortschritten im Spanischen. Ich weiß noch, wie ich mir vor meiner Abreise aus Deutschland Gedanken darüber machte, ob ich hier überhaupt zurechtkommen würde, da ich gefühlt alle meine Spanischkenntnisse vergessen hatte. Aber ich habe wirklich keine Probleme, meinen Alltag hier zu bewältigen und auch wenn es natürlich vorkommt, dass ich ab uns zu mal nicht weiß, wie ich mich ausdrücken soll, bin ich doch stolz auf das, was ich bis hierhin gelernt habe. 
Den größten Anteil haben dabei sicherlich der Spanischkurs, den ich zwei Mal wöchentlich habe, und die Tatsache, dass ich bei einer mexikanischen Familie wohne und somit tagtäglich mit der Sprache konfrontiert bin. Dazu kommen natürlich meine Kurse in der Uni sowie der Kontakt mit meinen Kommilitonen und auch den Mädels aus meinem Fußballteam. 

Letztens hatten wir ein Spiel gegen die "Tec de Monterrey", eine ziemlich reiche Privatuni, wo ich mein erstes Tor erzielen konnte. Generell macht es einfach Spaß mit dem Team, da alle total nett und hilfsbereit sind.

Unser Fußballteam nach einem weiteren Sieg
Zur Feier der mexikanischen Revolution hatten alle frei und die Sportteams der UdeG nahmen an einer Parade durch die Innenstadt teil. Es war das erste Mal, dass ich an so etwas teilgenommen habe und es war irgendwie komisch, dass Leute einem hinter den Absperrungen zugejubelt haben. Lustig war es dennoch und cool, so etwas mal miterlebt zu haben.

Die alljährliche Parade durch Guadalajara zur Feier der mexikanischen Revolution
Des Weiteren ist auch hier in Mexiko der Black-Friday-Shoppingwahn für ein Wochenende ausgebrochen und so verbrachte ich viel Zeit mit Freunden in Malls, auf der Suche nach den besten Deals. Wir bummelten, gingen etwas essen und auch ins Kino, welches super bequeme Sitze hatte, und in dem man sich allerlei Essen oder Getränke direkt zum Sitzplatz hat liefern lassen können. 

Doch ich war nicht nur ein Wochenende lang in Einkaufszentren, sondern auch auf meiner ersten mexikanischen Taufe - und zwar in Ocotlan, bei Pacos Familie.
Alles war wie immer bunt geschmückt, es gab Tacos, Kuchen, eine Live-Band und was natürlich auf keiner mexikanischen Feier fehlen darf: Tequila.
Es war wirklich eine coole Erfahrung und ich bin so froh, dass ich das alles miterleben darf. Die Familie Sanchez hat mir nicht nur einen Platz zum Wohnen gegeben, sondern auch eine zweite Familie, die mich so integriert, als wäre ich wirklich ein Teil davon.

Das Taufkind Aitana und ich


Meine Gastschwester Sara, Aitana und ich
Die nächste Uniwoche verging schon wieder im Flug und so standen die nächsten Aktivitäten am Wochenende an. Johanna hatte Geburtstag, zudem sind wir in den Barrancas in Guadalajara wandern gewesen und ich hatte meine Abschlussprüfung in einem Tanzkurs. 

V.l.n.r.: Anni, ich, Johanna und Philippa an Johannas Geburtstag

Besonders vor Letzterem hatte ich, wie vorher bereits erwähnt, etwas Bammel, da die Prüfung im Tanzsalon "Casino Veracruz" stattfinden würde, der bei allerlei Tanzbegeisterten beliebt war.
Auch wenn wir alle ziemlich nervös waren, gelang uns alles im Endeffekt doch sehr gut. Alle Rhythmen, die wir während des Semesters gelernt hatten, wurden aufgeführt: Danzon, Salsa, Bachata und Merengue. Als die Nervosität nach dem ersten Tanz etwas abfiel, machte der zweite Tanz umso mehr Spaß. Jeder tanzte zwei Rhythmen und meine waren Bachata und Merengue. Am Ende rief meine Professorin mich sogar nach vorne, um als Austauschstudentin eine kleine Rede zu halten. Ziemlich überrascht bekam ich dann ein paar Worte zusammen und war einfach nur glücklich, dass wir alle den Auftritt heute so gut gemeistert haben.

Die Farbe des Kleides ist nicht ganz mein Geschmack gewesen
Das Gruppenfoto aller Kursteilnehmer


 Nächste Woche findet dann meine zweite und letzte Tanzprüfung auf einem großen Kirchenvorplatz statt und das Semester nähert sich langsam aber sicher dem Ende. Die Weihnachtszeit steht außerdem vor der Tür und wir erwarten außerdem viel Besuch von Freunden der Familie Sanchez. Demnach wird der Dezember bestimmt nicht langweilig, und ich freu mich schon auf das, was kommt. Bleibt gespannt!

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