Mittwoch, 21. August 2019

Ankunft in Mexiko - Warum eigentlich Mexiko? Kulturschock?

Es war nun so weit...Tag X stand an: Mein Flug nach Guadalajara und somit mein 5-monatiger Aufenthalt in der Stadt des Mariachis und des Tequilas stand kurz bevor.
Viele Freunde und Familienmitglieder waren spürbar überrascht und besorgt, als sie von meinem Vorhaben hörten, ein Auslandssemester in Mexiko zu machen. Drogen und Gewalt sind Stichworte, die vielen zuerst in den Sinn kommen, wenn sie an dieses Land in Zentralamerika denken.

Das ist doch zu gefährlich für ein Mädchen wie dich, mit blauen Augen und dunkelblondem Haar."

Doch solche Warnungen und gut gemeinten Ratschläge gingen mehr oder weniger durch ein Ohr rein und durch das andere wieder raus, denn das war nicht das, was ich mit Mexiko in Verbindung brachte. Natürlich war ich mir der Gefahr bewusst, doch für mich stand viel mehr die Kultur Mexikos im Vordergrund. Ich stellte mir ein Land mit vielen herzlichen Leute vor; viele Feste, wo getanzt werden würde; der berühmte Dia de los Muertos"; atemberaubende Strände und natürlich auch die ganze kulturelle Geschichte, die ein so großes Land wie Mexiko mit sich bringt.

Ich möchte nicht verleugnen, dass ich nicht Respekt oder gar ein wenig Angst vor diesem Schritt hatte, besonders aufgrund der Sprache, die ich seit meiner Schulzeit nicht mehr gesprochen hatte, aber um Luca Zucchi, einen sehr guten Freund von mir aus Köln, zu zitieren: ...muss man manchmal aus seiner Komfortzone ausbrechen." Und ich wusste, dass dies der richtige Weg für mich sein würde, denn ich hatte das Verlangen, eine neue Sprache auf ein neues Level zu bringen. Und ich wusste, dass mich Spanisch herausfordern würde. Zudem würde mich die mexikanische Mentalität und Kultur auch mal in Situationen versetzen, die ich nicht gewohnt war oder die mich manchmal auch nerven würden. Doch solche Erfahrungen sind meiner Meinung nach wichtig, um als Mensch selbst zu wachsen und seinen Horizont zu erweitern.

Nun aber endlich zu meiner Ankunft in Mexiko. Nach einem mehr oder weniger chaotischen Flug mit Zwischenstopp in Mexiko-Stadt wurde ich von einer 5-köpfigen Familie am Flughafen Guadalajaras empfangen. Familie Sanchez bestand aus Mama Lupita, Papa Paco und den Kindern Denisse, Sara und Paco Jr., die alle zwischen 18 und 23 und somit ungefähr so alt wie ich sind.

Wieso wurde ich denn von einer Familie abgeholt, könnte man sich fragen? 
Berechtigte Frage. Meine alte Spanischlehrerin Frau Erdmann hat mir bei dem Bewerbungsprozess für mein Auslandssemester geholfen und mir angeboten, da sie ursprünglich aus Mexiko stammt, Freunde von ihr zu kontaktieren, die zufällig in Guadalajara wohnen, und zu fragen, ob ich dort vorübergehend unterkommen könnte.
Ich meinte daraufhin, dass es die ersten Tage bestimmt nicht schlecht wäre, eine feste Unterkunft zu haben, bevor ich vor Ort etwas Eigenes finden würde. Familie Sanchez hatte auch nichts dagegen und so kam es schließlich dazu, dass ich netterweise sogar vom Flughafen abgeholt wurde. Etwas überrascht war ich dennoch, denn ich wusste bis dato gar nicht, dass Lupita Ehemann und Kinder hat.

Auf dem Rückweg begannen dann auch schon rege Konversationen, zumindest insofern ich das sprachlich konnte. Die anderen haben mir super viel erzählt, sei es über die Stadt, das Land oder die Leute. Natürlich waren sie auch ganz neugierig, was ich so zu erzählen hatte und so konnte uns nur der Stopp an der besten Taqueria Guadalajaras unterbrechen. Tacos habe ich zum ersten Mal in den USA kennengelernt. Ein frittierter und geformter Tortilla mit Fleisch, Sour Cream, Käse, Salat und Tomate. Doch das hatte rein gar nichts mit dem ursprünglichen Taco aus Mexiko zu tun.
Allein die ganzen verschiedenen Fleischarten waren überfordernd. Ich vertraute Denisse und sie bestellte mir etwas zum Probieren. 3 weiche Fladen aus Mais, belegt mit Fleisch, wurden mir gereicht, viel viel kleiner als z.B. Wraps, die wir aus Deutschland kennen, und konnten dann von mir nach Belieben mit Zwiebeln, Koriander und Salsa verfeinert werden.
Wow. Obwohl mir die Kombination zunächst komisch vorkam, wurde ich vom Geschmack aus den Socken gehauen. Dazu ein agua de arroz" und ich war glücklich. Das deutsche Mädchen zum ersten Mal in einer Taqueria, eine schiere Sensation. Von mir wurden Fotos beim Essen gemacht (würde in Zukunft noch öfter folgen), Fotos mit den Töchtern und schließlich wollten auch die Köche ein Foto mit mir...total witzig.
Dennoch geschafft vom Tag war ich froh, als wir das Zuhause erreichten...und was für eins. Wow, zum zweiten Mal. Ein riesiges Haus in einer total schönen und sauberen Anlage mit anderen Häusern, die vorne am Gate durch Sicherheitsmänner überwacht wurde. Ein eigenes Zimmer und sogar ein eigenes Bad wurde für mich hergerichtet und ich war mehr als baff von den Ereignissen des heutigen Abends. Ein schmales Bett oder die Couch hatte ich mir als Schlafplatz vorgestellt, aber nicht sowas.
Glücklich und voller Vorfreude schlief ich schließlich ein, gespannt, was mich in den nächsten Tagen so erwarten würde.

Die Kathedrale Guadalajaras

Am nächsten Tag nahmen mich Denisse und Sara direkt mit in einen Walmart, wie in den USA! Also nicht ganz die gleichen Produkte, aber schon echt nah dran. Wir besorgten eine SIM-Karte für mein Handy und ich war froh, dass mir von Leuten geholfen wurde, die sich hier mit allem auskannten. Nachmittags haben wir gegrillt, u.a. gab es auch riesige Tomahawk-Steaks, so groß, wie ich noch nie ein Steak gesehen habe, 1 kg schwer. Wir lernten uns alle besser kennen und ich war in dem Moment so dankbar, bei einer so netten mexikanischen Familie zu sein, anstatt mich eventuell mit Kakerlaken im Hostel herumzuquälen.

Nur Mama Lupita fehlt auf dem Bild vom gemeinsamen Grillen
Allerdings wurde mir langsam klar, dass wir zwar in Guadalajara waren, aber nicht wirklich nah am Stadtzentrum. 40 min waren es mit dem Auto zum Plaza de Armas und mit dem Bus noch viel länger, so dass dies meine Pläne auf Wohnungssuche zu gehen erheblich erschwerte.

Das berühmte "Teatro Degollado", wo häufig auch kostenlos Veranstaltungen stattfinden

Im Laufe der Woche habe ich viel mit den Frauen des Haushalts unternommen, während Paco und Paco Jr. zur Arbeit gingen. Wir waren im Supermarkt, in der Stadt, in der Mall mit Freunden von Denisse usw. Abends sind wir alle zusammen mal Tamales essen gegangen und andere Male wurde mir voller Stolz die mexikanische Küche präsentiert. Meistens wurde ich dabei auch fotografiert, damit ich auch später noch weiß, was ich da eigentlich gegessen habe.
Eins der vielen Fotos von mir mit mexikanischem Essen. Hier: Pozole
Mexikanisches Essen ist so vielfältig und ich soll immer alles mal probieren, obwohl ich oft passen muss, weil ich einfach keinen Hunger mehr habe oder ich manche Sachen aus eher ethischen Gründen nicht essen will.
Aber das ist kein Problem, alle sind immer total freundlich, wir reden und lachen viel. Das hilft nicht nur meinem Spanisch enorm weiter, sondern gibt mir auch ein sehr heimisches Gefühl. Manchmal versuche ich mich dann auch mal an meinen Kochkünsten, um etwas mehr oder weniger Deutsches zu zaubern. 

Je weiter die Woche voranschritt, desto präsenter wurde der Gedanke in meinem Kopf, eventuell doch erstmal ein wenig hier wohnen zu bleiben, zumal die Familie Sanchez mir das mehrmals anbot und meinte, dass sie sich freuen würde, zeitweise eine deutsche Tochter zu haben. Der Weg zur Uni ist zwar ätzend lang, aber mein Bauchgefühl sagte mir, dass ich erstmal bleiben sollte, in einer sicheren Umgebung und bei Menschen, die mich willkommen hießen.

Am Wochenende vor Unistart hatte Sara ihren 21. Geburtstag, weshalb ich einen Kuchen für sie backte und wir alle zusammen essen gegangen sind.

Geburtstagskind Sara (in der Mitte) wird 21
Am darauffolgenden Tag sind wir zu Pacos riesiger Familie nach Ocotlán gefahren, bei denen Familienzusammenhalt ganz weit oben steht. Ich erlebte ein etwas anderes Leben, als das, was wir in einer Großstadt wie Guadalajara führten, und lernte abermals die mexikanische Gastfreundschaft und Herzlichkeit kennen. Wir pflückten Früchte aus dem Garten, die ich noch nie gesehen, geschweige denn probiert hatte, und ich lernte viele weitere freundliche Menschen kennen.

12. August 2019. Offizieller Start des Wintersemesters 2019 an der Universidad de Guadalajara. Zwar wurde mir keine Uhrzeit genannt, aber doch wenigstens ein Ort, an dem ich an besagtem Montag aufkreuzte. Lennart, ein anderer SpoHo-Student aus Köln, der allerdings Lehramt studiert, war auch schon da. Wir hatten im Vorfeld schon Kontakt, uns heute allerdings das erste Mal gesehen.
Im Büro für internationale Studenten war man etwas überfordert mit unserem Erscheinen und so wurden wir zu einem anderen der insgesamt 6 Centros in der Stadt geschickt. Dort wurden wir zwar total lieb empfangen, wurden allerdings auf Mittwoch vertröstet, wo es dann eine offizielle Begrüßung für alle Austauschstudenten des Centros CUCS (Centro de las Ciencias de la Salud) geben sollte.

Die Sporthalle der UdeG
Am folgenden Mittwoch gab es tatsächlich eine Infoveranstaltung für uns, bei der wir erfahren hatten, dass wir neben einer Reihe Medizin- und Psychologiestudenten, die einzigen beiden Austauschstudenten der Studienrichtung "Cultura Fisica y Deporte" (Sport) waren. Das hätte ich zwar nicht erwartet, jedoch war dies nicht weiter schlimm, da sich deshalb sehr gut um uns gekümmert wurde. Yair, ein mexikanischer Student im 9. Semester, begrüßte und begleitete uns zum Campus CUCEI, wo alle unsere Kurse stattfinden würden, da sich dort alle Sportanlagen befinden. Er war total hilfsbereit und konnte uns auch bei der Erstellung unseres Stundenplans super helfen. Für Austauschstudenten würde die Anwesenheitspflicht erst ab kommendem Montag gelten, so dass wir diese Woche noch zur Orientierung hatten.
Zwei Tage später fand eine weitere Orientierungsveranstaltung statt, dieses Mal aber für alle "Intercambios" der UdeG. Insgesamt etwas über 1000 Austauschstudenten waren wir dieses Semester an der Universidad de Guadalajara, einer Universität mit fast 120.000 Studenten. Die meisten der Intercambios waren spanischsprachig, viele Kolumbianer, aber auch sehr viele Mexikaner aus anderen Staaten. Deutsche haben Lennart und ich auch getroffen, nur eben nicht ganz so viele wie Leute aus anderen Nationen. Mit Anni und Johanna, zwei Lehramtsstudentinnen, verstand ich mich auf Anhieb gut und so tauschten wir direkt Nummern aus.

Unsere Begrüßungsveranstaltung am Campus CUCEA
Unsere Begrüßung umfasste allerdings nicht nur grundlegende Infos, sondern auch etwas mexikanische Kultur. Wir bekamen einen Turnbeutel der UdeG, Tacos zu Mittag und Mariachis (eine typisch mexikanische "Band") traten auch noch auf. Sowas erwartet hatte ich überhaupt nicht, weil ich generell keine hohe Erwartungen an jegliche Organisation hier in Mexiko habe. Doch umso schöner wurde ich dann positiv überrascht.

Typisch für den Staat Jalisco: Mariachis

Mexiko ist definitiv anders  aber aufregend anders. Und das mag ich so! Ich freue mich unheimlich auf die nächsten Monate und bin auf jeden Fall gespannt, was sie für mich bereithalten werden.


P.S.: Abschließend möchte ich mich noch herzlich bei Frau Maria Enriqueta Erdmann-Martinez bedanken, die mir diese wundervolle Erfahrung überhaupt erst ermöglicht.

Mittwoch, 7. August 2019

Cusco - eine Woche voller Highlights


Schneller als gedacht, erreichten wir nun schon unsere letzte Woche in Peru. Diese verbrachten wir im schönen Cusco, vollgepackt mit weiteren Highlights unserer Reise.

Viele Früchte auf dem San Pedro Market
Unseren ersten Tag in Cusco starteten wir mit einem Besuch des San Pedro Markets und waren fasziniert davon, was er alles zu bieten hatte: vielerlei (Trocken-)Früchte, Souvenirs, Kleidung, Fisch, Fleisch, Essensstände usw. Man konnte hier alles für kleines Geld kaufen und/oder essen. Frischgepresste Smoothies, Frühstück oder ganze Mittagessen für umgerechnet 1-3 Euro.

Günstige und frisch gekochte Mittagessen
Nachdem wir uns aus den Fängen des Marktes befreien konnten, verbrachten wir den restlichen Tag mal wieder mit einer Free Walking Tour, um uns einen besseren Überblick über die Stadt verschaffen zu können.
Vor allem das Künstlerviertel San Blas hatte es uns angetan, welches mit seinen vielen kleinen Gässchen und Märkten seinen eigenen Charme versprüht. Auch unseren nächsten Tag verbrachten wir sehr ähnlich, wobei wir etwas früher heimkehrten, weil wir einerseits etwas Schlaf bekommen wollten, da wir in der kommenden Nacht schon um 3 Uhr abgeholt werden würden, und andererseits, da ich scheinbar etwas schlechtes gegessen hatte und es meinem Magen dementsprechend weniger gut ging.
Auch als wir in der kommenden Nacht abgeholt wurden, um möglichst früh zum Rainbow Mountain zu gelangen, ging es mir noch nicht wirklich besser und die holprige und kurvige Fahrt trug nicht unbedingt dazu bei. Doch unser Guide war total hilfreich und bekümmert, und so ging es mir nach viel Tee, Magentropfen und etwas Schlaf deutlich besser. Der perfekte Zeitpunkt, denn auf noch so ein Abenteuer wie in Huaraz hätte ich wirklich keine Lust gehabt. Apropos, unser Respekt vor der bevorstehenden Wanderung war groß, denn wir waren noch höher als in Huaraz und würden am Ende sogar die 5.000m-Marke knacken.

Der Versuch, Bekanntschaft mit einem Alpaka zu machen
Deshalb verbrachten wir die erste Stunde mehr oder weniger schweigend und auf den Boden starrend, um möglichst viel Sauerstoff zu sparen und uns mental gut auf den steilsten Teil der Wanderung einzustellen, der wie immer zuletzt kam.
Doch überraschenderweise ging es uns super. Natürlich war das letzte Stück steil und irgendwie auch anstrengend, aber ich fühlte mich so euphorisiert, dass wir jetzt doch schon so schnell da waren, dass ich das letzte Stück gefühlt geschwebt bin. Nach dem Debakel in Huaraz hatte ich ja schon ernsthaft an meiner Fitness gezweifelt, aber jetzt, da mir diese Wanderung so gut wie keine Probleme bereitet hatte, war ich wieder frohen Mutes. Auch Luana war deutlich erleichtert und so konnten wir den Ausblick auf das Naturspektakel, welches erst im Jahr 2015 entdeckt wurde, vollstens genießen.

Der bunte Rainbow Mountain ist auch in echt wunderschön


Wir waren total positiv überrascht davon, dass der Rainbow Mountain wirklich so bunt war, wie er auf Bildern immer aussah, denn in der heutigen Welt von Social Media weiß man ja nicht immer genau, wem oder was man glauben darf. Doch wir waren wirklich begeistert und können diese Wanderung dementsprechend total empfehlen. Auch die frühe Abfahrt um 3 Uhr hat sich gelohnt, denn als wir den Abstieg angingen, kamen uns Scharen von Touristen entgegen, die etwas später als wir starteten.
Nachdem wir uns am Nachmittag ein wenig ausruhten, gingen wir abends nochmal in die Stadt, um bei unserem „Lieblingsrestaurant" in Cusco etwas zu essen. Vorspeise, Suppe, Hauptgericht und ein Getränk für nicht mal 3 Euro und noch dazu konnte man sich auch vegetarische Gerichte aussuchen. Generell haben wir uns immer mehr in Cusco verliebt und kannten uns immer besser aus.

Der Plaza de Armas in Cusco



Am darauffolgenden Tag nutzten wir die Chance und schlenderten über einen völlig anderen Markt, den wir total zufällig im Vorbeilaufen entdeckten. Dort stattete ich mich mit einem billigen 20-Euro-Handy aus, das ich in Mexiko als „Fake-Handy" benutzen möchte, so dass ich im Falle eines Überfalls, das billige und nicht mein richtiges Handy verliere.
Mexiko, verrückt. Die ganze Zeit hatte ich nur Peru im Kopf, aber jetzt wo mein Flug nach Mexiko immer näher rückte, wurde es mir immer bewusster.
Doch ein Highlight stand für Luana und mich noch an, nämlich eines der sieben Weltwunder: Machu Picchu.

Der Weg entlang der Schienen Richtung Machu Picchu
Morgens stiegen wir in einen Van, der uns nach 6/7 h Fahrt in Hidroelectrica absetzte. Von dort aus liefen wir dann noch einmal 2,5 h entlang der Schienen Richtung Aguas Calientes, von wo aus es am folgenden Morgen zum Macchu Picchu gehen würde. Das war die Backpacker-Variante. Natürlich kann man auch den berühmten Zug, die Perurail nehmen, aber das kostet dann nicht eben 15 Euro für Hin- und Rückweg, sondern 150 Euro und führt entlang des exakt gleichen Weges, nur nicht neben, sondern auf den Schienen.
Dafür nimmt es von Cusco allerdings nur 4 h in Anspruch und nicht den ganzen Tag wie bei uns. Zudem entgeht man auch der Gefahr von Mosquitos im Wald zerstochen zu werden.
Froh endlich in Aguas Calientes angekomen zu sein, und das auch noch vor Einbruch der Dunkelheit (die Sonne geht in Peru schon gegen 18 Uhr unter), schauten wir uns in der Stadt etwas um. Sehr touristisch sollte es sein, teuer und kein wirkliches Highlight. Teuer war Aguas Calientes auf jeden Fall, aber trotzdem waren wir eher positiv überrascht, denn die Stadt wirkte modern und neu. Etwas, was wir aus Peru bisher eher weniger gewohnt waren.

Viele Menschen, die früh morgens auf einen Bus warteten
Am nächsten Morgen reihten wir uns in die Schlange für den Bus ein, so wie viele andere, und waren gespannt heute tatsächlich die übrig gebliebene Stadt der Inka zu sehen: Machu Picchu. Eintrittskarten muss man sich schon vorher besorgen, entweder im Internet oder in Cusco. Manche Tickets muss man schon 2-3 Monate im Voraus bestellen, z.B. wenn man den Inka-Trail wandern will, während die ganz einfachen Tickets, so wie wir sie hatten auch ein paar Tage vorher gekauft werden können. Die frühste und auch beliebteste Eintrittszeit ist 6 Uhr, woraufhin man dann vier weitere Stunden zur Erkundung der Anlage hat. Wir haben Tickets für 7 Uhr bekommen und waren angesichts des Besucherandrangs in der derzeitigen Hauptsaison zufrieden.

So, nun aber zum wichtigen Teil: Wie hat es uns gefallen?
Mittelmäßig. Naja, so kann man das auch nicht sagen. Ich für meinen Teil war anfangs ziemlich enttäuscht, weil sich wirklich Menschenmassen auf der Anlage herumtummelten. Natürlich gehört es zum Weltkulturerbe und der Gedanke, einsame Ecken zu finden, war vielleicht etwas naiv, aber so hatte ich es mir in meiner Fantasie zumindest ein bisschen vorgestellt. Luana hatte nicht so eine träumerische Vorstellung wie ich und deshalb war sie von ihrem ersten Eindruck auch nicht enttäuscht. Nichtsdestotrotz, machten wir uns weiter auf den Weg, um die viel größer als gedachte Anlage zu erkunden. Und ich muss sagen, dass ich immer mehr Gefallen gefunden habe und die vielen Menschen ausblenden konnte, um das wirklich wichtige einzufangen: die Inka-Stadt selbst. In der ehemaligen Stadt herumzulaufen und sich einfach nur vorzustellen, wie es damals wohl gewesen sein muss, hier zu leben, war beeindruckend, besonders, wenn dieser riesige Machu Picchu („Machu-Berg") einen anstarrt.

Luana und ich vor dem berühmten Machu Picchu



Nachdem wir letztendlich doch frohen Mutes waren, gingen wir den Abstieg vom Machu Picchu nach Aguas Calientes und dann von dort wieder nach Hidroelectrica an. Es war anstrengend. Nicht nur lag uns der Weg vom Vortag schon in den Knochen, aber auch heute liefen wir viel in der Anlage selbst herum und die 3,5 h Rückweg hatten es auch nochmal in sich.

Unsere Aussicht auf dem Rückweg

Am Ende kamen wir auf ca. 30 km Weg und waren erleichtert, im Van zurück nach Cusco zu sitzen. Da mir in Bussen sowieso sehr schnell schlecht wird, war ich froh, dass ich so ziemlich die ganze Strecke schlafen konnte.
Zurück in unserer Unterkunft in Cusco machten wir uns dann auch direkt ans Packen, denn ein paar Stunden später ging es für uns schon nach Lima. Lima, unsere erste und auch letzte Station. Nostalgisch blickten wir auf die letzten 3 Wochen zurück und konnten kaum glauben, was wir in den drei Wochen alles erlebt hatten und wie sich unser Denken verändert hatte. Noch eher schüchtern damals an unserem ersten Tag waren wir besorgt, ein Uber, anstatt eines Taxis zu nehmen, haben Straßenstände und Essen auf Märkte gemieden - und waren bei Dunkelheit lieber wieder in der Unterkunft. Über die Zeit haben wir gelernt, dass Sicherheit auf jeden Fall ratsam ist, aber nicht verhindern sollte, sich auf Land und Leute einzulassen.
Das war's nun also. Für Luana ging es zurück nach Deutschland und für mich steht jetzt der eigentliche Sinn meiner Reise an: mein Auslandssemester in Guadalajara.
Das Fazit unserer Reise, fällt definitiv sehr positiv aus. Wir hatten eine tolle Zeit in einem wunderschönen und sehr erschwinglichen Land, haben uns super verstanden und tagträumen schon über unsere nächste Reise.

Dienstag, 30. Juli 2019

Weiter Richtung Süden & peruanische Eigenheiten


Willkommen in Arequipa! 

Der Vulkan Misti
Im Anschluss an eine lange Nachtfahrt mit dem Bus kamen wir in der sogenannten "weißen Stadt" an und wurden direkt von der schönen Architektur beeindruckt. Grund für diesen Namen sind die vielen weißen Gebäude aus Vulkangestein. Dieses Material gilt als besonders stabil und soll so die von Erdbeben gefährdete Stadt besser vor Zerstörungen schützen. In Arequipa besteht nämlich eine erhöhte Erdbebengefahr und auch sonst ist die Stadt nicht das sicherste Pflaster. Drei Vulkane umgeben die Stadt, von denen einer sogar noch als aktiv gilt, nämlich der Vulkan Misti, so dass ganzjährig die Gefahr einer Evakuierung besteht.

Nichtsdestotrotz zieht es viele Menschen nach Arequipa, sei es wegen der vielen Sonnenstunden, der Lebensart oder der kolonialen Geschichte, die auch einen imposanten Plaza de Armas hat entstehen lassen. Ein Plaza de Armas ist in Südamerika übrigens der Hauptplatz und so etwas wie der Mittelpunkt der Stadt.

Die Kathedrale Arequipas bei Nacht


Queso Helado - frei übersetzt "Käse-Eis" und typisch für Arequipa
Nachdem wir zwei Tage in Arequipa verbracht und endlich mal warmes Wetter im sonst eher kalten Peru (Winterzeit) genießen konnten, ging es für uns zum Colca Canyon. Wir wurden morgens abgeholt und fuhren mit dem Bus in Richtung der Schluchten des Colca-Tals nahe Chivay. Was sich uns dort darbot, waren vielfältige Landschaften, vor allem aber die schier endlose Gebirgskette der Anden. 


Alpakas in freier Wildbahn

Als unser Guide meinte, dass es für uns im Laufe des Tages auf 4900 m gehen würde, war uns beiden schon ganz schön mulmig, weil es uns an das Desaster in Huaraz auf "nur" 4600 m erinnerte. Deshalb sorgten wir vor und kauften uns Kokablätter, auf die die Einheimischen hier schwören, wenn es um die Höhenkrankheit geht. Um die ganze Wirkung der Blätter zu entfalten, muss man sie für eine halbe Stunde wie einen Kaugummi kauen und so den Blättern den Saft entziehen. Ein geschmackliches Highlight war dies sicherlich nicht, ich kam mir eher vor wie ein Wiederkäuer mit den ganzen Blättern im Mund. 
Doch scheinbar haben sie ihre Wirkung erfüllt, denn weder Luana noch ich hatten Probleme mit der Höhe. Ob es wirklich an den Kokablättern lag oder einfach nur daran, dass wir lediglich kurz aus dem Bus ausgestiegen sind und mittlerweile schon besser akklimatisiert sind, sei dahingestellt.

Am darauffolgenden Tag erkundeten wir weiter, was der Colca Canyon so zu bieten hat. Wir konnten Kondore beobachten, welche riesige Vögel mit einer Spannweite von bis zu drei Metern sind, die hier ungefähr so bekannt sind wie der "American Eagle" in den USA.

Der König der Lüfte: ein Andenkondor

Des Weiteren hatten wir Zeit die Natur etwas auf eigene Faust zu erkunden und konnten so noch mehr sehen. Uns beide hat der Colca Canyon wirklich umgehauen, denn so etwas hatten wir bis dato noch nicht gesehen. Die gewaltigen Ausmaße dieser Schluchten kann man in so einem Moment nur schwer realisieren.





Einige Stunden später ging es für uns schon wieder weiter zu unserem nächsten Ziel: Puno. Die Stadt, die den berühmten Titicacasee auf peruanischer Seite beheimatet. Der Titicacasee ist der höchst gelegene, navigierbare See der Welt und wird von Bolivien und Peru geteilt, da er sich in beide Länder erstreckt. 

Die Sicht auf den Titicacasee vom Hafen Punos aus

Nach einer wieder mal sehr kalten Nacht im Hostel samt Decken, Schlafsack und Pulli- freuten wir uns auf unseren Tag am Titicacasee. Leider machten uns schwierige Windverhältnisse einen Strich durch die Rechnung. Die Marine erteilte uns nur die Erlaubnis, die nächstgelegene Insel Uros anzusteuern. Etwas enttäuscht, aber dennoch froh, dass wir überhaupt etwas vom See erleben konnten, stiegen wir ins Boot. Nach einer kurzen Fahrt- wurden wir durch die Einwohner begrüßt und willkommen geheißen. Uros muss man sich als Inselgemeinschaft vorstellen, die in viele weitere kleine Inseln aufgeteilt ist und auf der immer 4-5 Familien leben. Die Inseln selbst sind komplett aus Schilf und müssen immer wieder erneuert werden, um nicht irgendwann unterzugehen. Komisch hat es sich schon angefühlt, darauf zu laufen, wie auf einer sehr weichen Matratze.


Die Bewohner erzählten uns einiges darüber, wie sie hier leben und wie unterschiedlich das Leben im Vergleich zu den Bewohnern Punos ist. Danach sangen sie eher wenig enthusiastisch "Vamos a la playa" und versuchten uns noch ihre Souvenirs anzudrehen. Generell wirkte alles total inszeniert und super touristisch. Natürlich ist uns klar gewesen, dass es nicht extrem authentisch werden würde, da wir das schon von einigen anderen gehört hatten, aber trotzdem waren wir am Ende des Ausflugs auf den Titicacasee etwas enttäuscht. 

Eventuell wäre unser Fazit anders ausgefallen, wenn wir noch die Chance gehabt hätten, weiter rauszufahren und eine andere Insel zu sehen, aber so war es eher ein ernüchterndes Erlebnis gewesen. Zudem ist Puno auch nicht die schönste Blume im Feld und so waren wir froh, weiter nach Cusco zu ziehen.


Bevor ich diesen Post nun beende, dachte ich mir, dass ich mal alle Merkmale/Unterschiede notiere, die Luana und mir in Peru bisher aufgefallen sind und noch einige der typischen Landesgerichte aufzähle.

In Peru...

1. ...gibt es total viele streunende Hunde, die aber zum Glück überhaupt nicht aufdringlich sind. Trotzdem tun sie einem ziemlich leid, da sie total dreckig und immer auf der Suche nach etwas zu essen sind.

2. ...sind Fernbusse deutlich luxuriöser ausgestattet und bieten besseren Service.

3. ...sind die meisten Leute total freundlich, herzlich und hilfsbereit. Auch wenn viele kaum bis keine Englischkenntnisse haben, versuchen alle, etwas von ihrer Kultur zu vermitteln und auch sonst wird einem oft mehr geholfen, als man normal erwarten würde. (Außer wenn man auf dem Bürgersteig läuft, da laufen die Peruaner konsequent weiter, ohne auch nur ein bisschen auszuweichen.)

4. ...gibt es viel mehr öffentliche und auch saubere Toiletten, als uns anfangs erzählt wurde. Zwar darf man das Klopapier nie in die Toilette werfen, sondern muss es in dem dafür vorgesehene Eimer entsorgen, aber zumindest sind die Toiletten, bis auf Ausnahmen, in der Regel immer sauber.

5. ...herrscht im Vergleich zu Deutschland deutlich mehr Patriotismus. Überall hängen peruanische Flaggen und auch sonst sind die Menschen sehr stolz auf ihre Kultur und Geschichte.

6. ...sind die Preise deutlich niedriger als in europäischen Ländern. Für ein Mittag- oder Abendessen zahlen wir meistens zwischen 1,50 und 3 Euro. Natürlich kann man auch deutlich teurer essen, aber wenn man sich für ein "Menu del día" entscheidet, welches eine Suppe als Vorspeise, ein Hauptgericht und ein Getränk umfasst, dann ist es billiger, auswärts zu essen, als selbst zu kochen.
Auch die Preise für ein Mehrbettzimmer in einem Hostel sind gering, da man hier meistens zwischen 5 und 7 Euro bezahlt und dafür sogar noch ein kleines Frühstück erhält.

7. …bekommt man Getränke von Straßenständen nicht im Becher, sondern in Plastiktüten mit Strohhalm serviert.

8. ...ist der Verkehr total verrückt. Jeder fährt durcheinander, es wird in einem Zug gehupt und generell kann man kein Muster in diesem unkoordinierten Wirrwarr erkennen.

Ein weiteres Merkmal, das die peruanische Kultur maßgeblich beeinflusst, ist das Essen. Hier sind einige typische Landesgerichte:

- Ceviche (roher Fisch eingelegt in Limettensaft und Zwiebeln)
- Lomo Saltado (geschmortes Rindfleisch mit Zwiebeln und Tomaten)
- Adobo (eine würzige Suppe mit Schweinefleisch (typisch für Arequipa))
- Cuy (gebratenes Meerschweinchen)
- Papa a la huancaina (Kartoffeln serviert mit einer scharfen Soße)
- Arroz a la cubana (Reis mit Spiegelei und frittierter Banane)
- Chicha Morada (Kultgetränk aus Peru, welches aus lilanem Mais gewonnen wird)

Generell lässt sich zur peruanischen Küche sagen, dass sie sehr fleischlastig ist. Selten findet man eine vegetarische Option und oft ist das Essen auch frittiert. Gemüse gibt es selten, dafür gibt es als Beilage fast immer Reis UND Kartoffeln.
Mir persönlich sagt das Essen eher weniger zu. Das Fleisch ist meistens gar nicht meins, es ist mir zu fettig und mir fehlt auch das Gemüse. Nichtsdestotrotz gibt es auch einige Sachen, die lecker sind und wenn man will, findet man oft irgendeine Alternative. Die Auswahl an Früchten zum Beispiel ist total groß und lecker. Zwei Sachen, die mir und Luana beim Thema Essen noch aufgefallen sind, ist zum einen, dass das meiste nicht heiß, sondern lauwarm serviert wird, und zum anderen, dass das Getränk oft erst am Ende des Hauptgerichts gebracht wird.

Dienstag, 23. Juli 2019

Buenos días Peru - die erste Woche

Nach ca. 14 h Flug landeten Luana und ich etwas erschöpft und bei völliger Dunkelheit in Lima. Dies war unser erster Stopp auf einer insgesamt 3-wöchigen Reise durch Peru, bevor sie wieder nach Deutschland fliegen und es für mich weiter nach Mexiko gehen würde.
Luana und ich haben uns damals beim Tennis kennengelernt und sind jetzt schon einige Jahre befreundet. Wir waren auch einige Zeit zusammen in Australien und dachten uns deshalb, dass wir doch mal wieder ins nächste Abenteuer starten könnten. 

Als wir in Lima ankamen und uns ein Taxi ins Hostel nahmen, überfluteten uns die ersten Eindrücke. Ich weiß nicht, ob es der Dunkelheit, dem langen Flug oder dem schallenden Lärm der Autos geschuldet war, dass ich mich in diesem Moment etwas überfordert gefühlt habe. 

Unseren ersten und vorerst einzigen Tag in Lima verbrachten wir mit Sightseeing. Wir machten zwei "Free Walking Tours", welche völlig umsonst sind, und bei denen wir den Guides lediglich Trinkgeld gaben. Diese Touren sind echt zu empfehlen, weil man so von Einheimischen durch die Stadt geführt wird und auch ein paar Geheimtipps bekommen kann. 

Luana und ich am Ende der Tour mit der peruanischen Flagge

Lima wird auch "La fea" genannt, also "Die Hässliche" und dem kann ich teilweise durchaus zustimmen. Lima gehört wohl nicht zu den schönsten Städten weltweit, auch wenn der "Parque del Amor" und die Flaniermeile am Meer ihren eigenen Charme besitzen. 

Die Aussicht aufs Meer vom Parque del Amor

Trotzdem ist Lima einen Besuch wert, zumal es die Hauptstadt Perus und einfach eine pulsierende Stadt ist. Hier ist so viel los, alles ist in Bewegung (außer die Autos vielleicht, die stehen konstant im Stau und hupen 24/7) und trotzdem sind die Menschen sehr herzlich.

Nach einem langen ersten Tag in Lima ging es für uns am nächsten Tag in den Norden nach Huaraz. Was auf der Landkarte aussah wie 2 h Fahrt, war im Endeffekt eine fast 9-stündige Reise mit dem Bus. Dafür war die Busfahrt die luxuriöseste, die wir in unserem Leben hatten. Für umgerechnet ca. 8 Euro fühlten wir uns, als würden wir Business Class fliegen. Die Sitze waren breit, gepolstert und ließen sich fast bis in eine liegende Position nach hinten klappen. Jeder Sitzplatz hatte einen eigenen Bildschirm mit Filmen und sogar so etwas ähnliches wie Flugzeugessen wurde serviert. Zwar funktionierte das versprochene Wlan nicht, aber das kann man bei dem Preis schon verkraften.

Abends im ca. 3100 m hohen Huaraz angekommen, hatten wir nur ein paar Stunden Schlaf, bevor uns ein weiterer Bus um 4:30 Uhr nachts abholte, um zum Nationalpark von Huaraz zu fahren, von wo aus wir unsere Wanderung zur Laguna 69 starten würden.
Normalerweise wird einem dringend empfohlen, sich 2-3 Tage zu akklimatisieren und sich an die Höhe zu gewöhnen, bevor man Wanderungen auf 4600 m wie zur Laguna 69 angeht. Allerdings ignorierten wir diese Empfehlung mit dem Gedanken, dass wir beide relativ fit und jung sind und es schon gut gehen würde.

Die Landschaft auf dem Weg zur Laguna 69

Um es vorweg zu sagen: Dem war nicht so. Wir hatten schon nach 2 km mit unserer Atmung zu kämpfen. Kopfschmerzen, Schwindelgefühl und Herzrasen wurden immer intensiver und wir beide hatten das Gefühl, dass wir gleich zusammenklappen würden. Nach halben Wege waren wir kurz davor, umzukehren, weil es zumindest mir in meinem Leben selten so schlecht ging. Mir war so übel und ich konnte mich kaum noch auf den Beinen halten, geschweige denn meinen Rucksack tragen. Irgendwie motivierten wir uns letztendlich doch gegenseitig, weil der eigentliche Grund, warum wir extra nach Huaraz gefahren sind, eben diese sagenumwobene Laguna 69 war.



Endlich oben angekommen
Und enttäuscht wurden wir nicht, denn es war wunderschön, zumindest live. Wie so oft, konnte die Kamera nicht das einfangen, was wir in Wirklichkeit gesehen haben. Das Wasser hatte ein strahlendes Blau, umgeben von schneebedeckten Gletschern und Ruhe. Leider konnten wir es nicht so richtig genießen, da uns die Höhenkrankheit immer noch sehr zu schaffen machte.


Nach einer halben Stunde an der Laguna 69 traten wir den Rückweg an, bei dem es mir nicht wirklich besser ging. Luanas Symptome klangen ein wenig ab, aber für mich war es immer noch eine Tortur, die ich nicht mehr erleben möchte. Als wir nach fast 6 h laufen endlich am Bus ankamen, waren wir einfach nur dankbar, es hinauf und wieder hinunter geschafft zu haben. Fazit zu diesem Ausflug: Wir sind froh es gesehen zu haben, würden es aber nicht nochmal machen. Zumindest nicht an unserem dritten Tag in Peru.

Tags darauf befanden wir uns schon in einem ganz anderen Klima. Von Gletschern und kalten Temperaturen in Huaraz ging es ins wüstenähnliche und warme Ica. Dort war alles ganz entspannt und wir machten an dem Nachmittag nicht mehr viel. Am nächsten Tag ging es mit Buggys durch die Wüste und mit den Sandboards die Dünen hinunter. Das hat wirklich so viel Spaß gemacht und ist bis jetzt definitiv mein Highlight gewesen. Der Sonnenuntergang, den wir dann noch bestaunen konnten, rundete die Tour ab und für 6 Euro war die auch ein echter Schnapper.

Die Wüste Huacachinas

Unser nächster Stopp war Nazca, wo sich die berühmten Nazca-Linien befinden. Zunächst waren wir uns unsicher, ob wir hier überhaupt halten wollen würden, da wir kein Geld für einen teuren Flug über das Naturspektakel der alten Nazca-Kultur ausgeben wollten, Backpacker eben. Doch es gab noch eine andere Möglichkeit, einige der ca. 2000 Jahre alten Geoglyphen zu sehen, welche oft auch das achte Weltwunder genannt werden, nämlich durch einen Aussichtsturm in der Wüste.
Das hat sich definitiv gelohnt und hat auch umgerechnet nur einen Euro gekostet, weshalb wir zufrieden in unseren Übernachtbus nach Arequipa steigen konnten.

Die Naszca-Linien vom Aussichtsturm
Das war's erst einmal von unserer ersten Woche hier in Peru. Im nächsten Post erfahrt ihr dann, was wir in unserer zweiten Woche in Peru alles unternehmen.

P.S.: Wie ihr bestimmt schon bemerkt haben mögt, ist dieser Blog nicht im anspruchsvollsten und hochgestochensten Deutsch geschrieben, was allerdings auch nicht mein Ziel ist. Durch diese eher umgangssprachliche Schreibweise habe ich das Gefühl, dass das, was ich schreibe, so wirkt, als würde ich es euch in Wirklichkeit erzählen.